Selbsthilfe braucht die Freiheit, ihre Ziele selbst zu bestimmen und die Mittel, ihnen nachzugehen.
Sieben Freiheiten.
Probleme, Interessen und Abhängigkeiten dürfen benannt werden, auch wenn sie unbequem sind.
Eine Organisation kann ihre Geldgeber öffentlich kritisieren, ohne um ihre Arbeitsgrundlage fürchten zu müssen.
Betroffene sprechen selbst. Niemand spricht ohne Mandat für sie.
Erwartungen und Bedingungen dürfen zurückgewiesen werden, ohne dass daraus ein Nachteil entsteht.
Menschen entscheiden frei und gut informiert über ihre eigene Behandlung, auch wenn andere daran verdienen.
Selbsthilfe legt selbst fest, wie, wann und unter welchen Bedingungen sie arbeitet.
Finanzierung darf nicht der Preis für die eigene Haltung sein.
Gedanken dahinter.
Nicht eingreifen reicht nicht.
Es genügt nicht, dass andere gerade nicht eingreifen. Unfreiheit besteht bereits dann, wenn jemand die unkontrollierte Macht hat einzugreifen und andere auf sein Wohlwollen angewiesen sind.
Für Selbsthilfe ergibt sich daraus eine konkrete Frage: Kann eine Organisation ihren Geldgeber öffentlich kritisieren, ohne um ihre Arbeitsgrundlage fürchten zu müssen? Wenn sie ihre Position vorsorglich anpasst, kann ihre Freiheit schon eingeschränkt sein, bevor jemand eine Forderung stellt.
Die Bedingungen des Sprechens zählen.
Entscheidend ist, ob Menschen gleichberechtigt an öffentlicher Verständigung teilnehmen können. Dazu gehören Zugang, gleiche Beteiligungsmöglichkeiten und die Möglichkeit, Themen überhaupt zur Diskussion zu stellen.
Es reicht nicht, Betroffene an einen Tisch einzuladen. Sie müssen auch die Tagesordnung hinterfragen, unerwünschte Erfahrungen einbringen und den Beteiligungsprozess selbst kritisieren können. Mitreden ist erst dann substanziell, wenn auch Widerspruch möglich ist.
Freiheit ermöglicht Entwicklung.
Menschen entwickeln Urteilskraft und Fähigkeiten, indem sie eigene Wege gehen und unterschiedliche Lebensweisen erproben können. Selbsthilfe braucht Raum, damit Betroffene eigene Fragen stellen, Erfahrungen austauschen und Lösungen erarbeiten können. Wenn nur das stattfinden darf, was bereits in ein Förderprogramm passt, werden mögliche Entwicklungen schon im Vorhinein begrenzt.
Etwas Neues beginnen können.
Freiheit erschöpft sich nicht in der Auswahl zwischen vorgegebenen Möglichkeiten. Menschen können gemeinsam Angebote, Beziehungen und Formen der Unterstützung entwickeln, die vorher niemand vorgesehen hat. Darin liegt ein eigenes gesellschaftliches Potenzial.
Warum Freiheit in der Selbsthilfe wichtig ist.
Selbsthilfe braucht Freiheit, weil Menschen selbst herausfinden können müssen, was ihnen hilft. Sie brauchen Möglichkeiten, ihre Erfahrungen in eigene Worte zu fassen, Probleme selbst zu benennen und gemeinsam Antworten zu entwickeln. Dazu gehört auch, Erwartungen zurückzuweisen und Lösungen auszuprobieren, die für Institutionen oder Fördergeber keinen unmittelbaren Nutzen haben.
Freiheit betrifft sowohl die Organisation gegenüber ihren Geldgebern als auch die einzelnen Menschen innerhalb der Organisation. Auch dort müssen abweichende Erfahrungen und Kritik Platz haben.
Freiheit bedeutet keine völlige Beziehungslosigkeit und keinen Verzicht auf Unterstützung. Unterstützung kann Freiheit erst ermöglichen, wenn sie Handlungsspielräume eröffnet und Widerspruch aushält. Entscheidend ist, wer die Bedingungen setzt, wer darüber mitentscheidet und ob Abhängige sich gegen Entscheidungen wehren können.
Erst wenn Selbsthilfe ihre Ziele selbst bestimmen kann und die Mittel hat, ihnen nachzugehen, können aus den Erfahrungen der Menschen auch eigene Entwicklungen entstehen.
